Trotz historisch niedrigem Zinsniveau bleiben Beteiligungen für die Wirtschaft Thüringens bedeutend, bestätigt Iris Gleicke

Interview mit der parlamentarischen Staatssekretärin, Iris Gleicke, der Firma Frischmann Kunststoffe GmbH, Lutz Frischmann und der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft Thüringen mbh (MBGT), Stefan Schneider

 

Herr Frischmann, wie beurteilen Sie die Leistungen der MBGT und wie wichtig ist diese Zusammenarbeit für Ihr Unternehmen?
Lutz Frischmann: „Ich danke der MBGT für die Unterstützung im Rahmen der Beteiligung und auch die langjährige Zusammenarbeit mit der Bürgschaftsbank Thüringen GmbH (BBT) hat uns in vielen kritischen Situationen immer wieder vorangebracht und Finanzierungen und Investitionen ermöglicht und gesichert. Obgleich ich ehrlich zugebe, dass die Beteiligung aus kaufmännischer Sicht nicht auf den ersten Blick im Vordergrund stand, bin ich sehr froh über diese Form der Wirtschaftsförderung, da wir mit der stillen Beteiligung unsere Unabhängigkeit bewahren und langfristig auf eine solide Kapitalbasis zurückgreifen können.

 

Herr Schneider, Sie haben als Geschäftsführer der MBGT und BBT schon mehrere Firmen mit Bürgschaften und Beteiligungen begleitet. Was unterscheidet Ihre Arbeit von den klassischen Förderinstitutionen? 
Bei der MBGT stellen wir als wettbewerbsneutraler und branchenunabhängiger Partner auf Zeit wirtschaftliches Eigenkapital in Form von typischen stillen Beteiligungen zur Verfügung. - ohne jedoch unternehmerischen Einfluss zu nehmen. Der Mittelstand ist personen- und nicht konditionsorientiert, große Unternehmen sind auffälliger am Markt und genießen mehr Aufmerksamkeit. Daher ist es uns gerade wichtig, kleine und mittelständische Firmen in Thüringen zu unterstützen. Wir haben unsere Produkte dahingehend spezialisiert. Während die KfW ein zentrales Förderinstitut ist, sind die Bürgschaftsbanken und Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften, vertreten in allen Bundesländern, der lokale Partner der Wirtschaftsförderung für Bürgschaften und Beteiligungen.

 

Frau Gleicke, Sie sind parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie und seit 2014 auch Beauftragte der Bundesregierung für die neuen Bundesländer, den Mittelstand und Tourismus. Wie schätzen Sie die wirtschaftliche Situation der Region ein?
Wir haben in Südthüringen nicht die Ressourcen, um große Investoren in unsere Region zu ziehen. Da brauchen wir uns gar keinen Visionen hingeben. Aber wir können die Firmen und Unternehmen, die unsere Region schon hat und auch braucht, unterstützen und mit gezielter Wirtschaftsförderung die Lücken aus eigenen Mitteln schließen. Daher ist es unsere Pflicht als Bundesregierung, das Fördersystem auszubauen. Weiterhin sehe ich auch einen Informations- und Aufklärungsbedarf, der den Unternehmen die Scheu vor Beteiligungen und Finanzierungen nimmt. Herr Frischmann ist mit seiner Firma für mich ein Paradebeispiel für das Wirtschaftswachstum in unserer Region und ich gebühre ihm den größten Respekt für seine unternehmerische Tätigkeit.

 

Herr Frischmann, wofür haben Sie das Eigenkapital der MBGT eingesetzt? 
Mit dem aufgenommenem Kapital haben wir lufttechnische Anlagen und bauliche Investitionen finanziert, um künftig weiteres Wachstum sichern zu können. Die Investition war von großer Bedeutung für die Weiterentwicklung der Verpackungen im medizinischen und Lebensmittelbereich. Das Luftfiltersystem war eine Kundenforderung, die hauptsächlich Babynahrung und Milchpulver für den Fernmarkt in Asien verpacken. Die hygienischen Bestimmungen sind da natürlich besonders zu beachten. Wir wollen weitere Märkte aufbauen, da nun die notwendigen Voraussetzungen für die Herstellung durch den Umbau gegeben sind.